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Im Norden des Neuen Gartens von Potsdam liegt Schloss Cecilienhof, nur etwa einen Kilometer vom Marmorpalais entfernt und in unmittelbarer Nähe zum Heiligen See und zum Jungfernsee. Das im englischen Landhausstil erbaute Schloss fügt sich in den gleichnamig gestalteten Neuen Garten ein. Das Gesamtensemble gehört seit 1990 zum UNESCO-Welterbe „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“.
Der letzte Schlossbau der Hohenzollern
Cecilienhof ist kein Bau aus der Zeit der Tudor-Dynastie, sondern greift deren Formensprache bewusst wieder auf: Errichtet wurde es zwischen 1913 und 1917 nach Plänen des Architekten Paul Schultze-Naumburg im Stil eines englischen Landhauses mit Anklängen an den Tudorstil. Den Grundstein legte Kronprinz Wilhelm im Mai 1913; der Erste Weltkrieg verzögerte die Arbeiten, sodass der Neubau erst am 1. Oktober 1917 vollendet wurde. Das Schloss besitzt 176 Zimmer und fünf Innenhöfe. Auffällig sind die kunstvoll gestalteten Schornsteingruppen im Tudorstil, von denen keine der anderen gleicht.
Den Charakter des Schlosses prägen die weitläufige Dachlandschaft, das Fachwerk aus Eichenholz und das sichtbare Mauerwerk aus Backstein. In Auftrag gegeben wurde der Bau von den Hohenzollern unter Kaiser Wilhelm II. als Wohnsitz für Kronprinz Wilhelm und seine Frau Cecilie – es war der letzte Schlossbau der Dynastie. Nach dem Umzug aus dem Marmorpalais bewohnte das Kronprinzenpaar Cecilienhof bis zum Februar 1945.
Sehenswertes in und um Schloss Cecilienhof
- Spaziergang durch den Neuen Garten mit Grotte und Eremitage
- Besuch der Gedenkstätte zum Potsdamer Abkommen
- Rundgang durch die Kronprinzenwohnung
Schauplatz der Potsdamer Konferenz
In die Weltgeschichte ging Schloss Cecilienhof als Verhandlungsort der Potsdamer Konferenz der „Großen Drei“ ein. Vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 stellten hier US-Präsident Harry S. Truman, die britischen Premierminister Winston Churchill und – nach dem Regierungswechsel in London – Clement Attlee sowie der sowjetische Führer Josef Stalin die Weichen für die Nachkriegsordnung in Deutschland und Europa.
Die Ergebnisse der Konferenz mündeten in das Potsdamer Abkommen. Im Schloss erinnert eine Gedenkstätte an das Treffen. Zu sehen sind die Arbeitsräume von Truman, Churchill, Attlee und Stalin, die über zwei Etagen reichende Haupthalle mit dem historischen Verhandlungstisch sowie die Terrasse, auf der das weltweit bekannte Gruppenfoto entstand. Im großen Ehrenhof ist bis heute die Blumenrabatte mit dem roten Stern zu sehen, die anlässlich der Konferenz angelegt wurde.

Schlossinterieur und das Kajütenzimmer
Der Schlossbau selbst blieb von Kriegsschäden weitgehend verschont. An der ursprünglichen Ausstattung waren namhafte Gestalter aus dem Umfeld des Deutschen Werkbunds beteiligt, unter ihnen der Werkbund-Mitbegründer Bruno Paul. Die Privaträume des Kronprinzenpaares richtete Paul Ludwig Troost ein, ein Spezialist für die Innenausstattung von Luxusdampfern des Norddeutschen Lloyd. Von ihm stammt auch das Kajütenzimmer von Kronprinzessin Cecilie, das einer Schiffskabine nachempfunden ist und als einziger Raum original erhalten blieb. Weil ein Teil des Mobiliars bei Kriegsende entfernt worden war, mussten mehrere Räume für die Potsdamer Konferenz neu möbliert werden.
Neuer Garten und Heiliger See rund um das Schloss
Schloss Cecilienhof ist ganzjährig ein lohnendes Ausflugsziel. Die Kronprinzenwohnung im ersten Obergeschoss und die Gedenkstätte zur Potsdamer Konferenz lassen sich im Rahmen von Führungen besichtigen; die aktuellen Öffnungszeiten, Preise und Termine gibt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) auf ihrer Website bekannt. Im Sommer laden die offizielle Badestelle mit Liegewiese am nahen Heiligen See und die ausgewiesenen Radwege im Neuen Garten zum Verweilen ein.
Anreise
Potsdam ist von Berlin aus mit der Regionalbahn (unter anderem der Linie RE1) und der S-Bahn gut erreichbar. Vom Potsdamer Hauptbahnhof fährt die Buslinie 603, die sogenannte Cecilienhof-Linie, durch den Neuen Garten bis zum Schloss; unterwegs hält sie auch am Marmorpalais. Wer mit dem Auto anreist, nutzt die Parkplätze am Rand des Neuen Gartens und legt den letzten Abschnitt zu Fuß zurück.
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Für wen sich Schloss Cecilienhof lohnt
Schloss Cecilienhof passt vor allem zu geschichtlich interessierten Besuchern. Als Schauplatz der Potsdamer Konferenz von 1945 lassen sich hier die Arbeitsräume von Truman, Churchill, Attlee und Stalin sowie die Haupthalle mit dem historischen Verhandlungstisch besichtigen. Wer sich zusätzlich für die Hohenzollern und den englischen Landhausstil interessiert, findet mit den erhaltenen Wohnräumen und dem Kajütenzimmer der Kronprinzessin weitere Anknüpfungspunkte. Der Besuch lässt sich gut mit einem Spaziergang durch den Neuen Garten verbinden.
Weniger geeignet ist das Schloss für alle, die Action, Sport oder ein umfangreiches kulinarisches Angebot suchen; ein solches Angebot gehört nicht zum Profil des Ortes. Auch für kleine Kinder ohne Interesse an Geschichte bietet der Rundgang durch Gedenkstätte und Wohnräume wenig Abwechslung. Wassersportmöglichkeiten beschränken sich auf die offizielle Badestelle am Heiligen See.
Schloss Cecilienhof ist ganzjährig ein lohnendes Ziel. Im Sommer kommt mit der Badestelle am Heiligen See und den Radwegen im Neuen Garten ein zusätzlicher Anreiz hinzu. Wer die Anreise mit dem Bus plant, nutzt ab dem Potsdamer Hauptbahnhof die Linie 603, die direkt durch den Neuen Garten zum Schloss führt; aktuelle Führungszeiten sollten vorab bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten geprüft werden.