UNESCO-Welterbe Kloster Maulbronn

Kloster Maulbronn: Blick ueber den Klosterhof auf Klosterkirche und Fachwerkgebaeude der Zisterzienser-Anlage
Elke Wetzig (Elya), Kloster Maulbronn 2009, CC BY-SA 3.0

Das Kloster Maulbronn im Enzkreis gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage noerdlich der Alpen. Anders als bei vielen anderen Kloestern ist hier nicht nur die Kirche erhalten, sondern die gesamte Anlage aus Klausur, Wirtschaftsgebaeuden und Wehrmauer. Wer Maulbronn besucht, kann deshalb nachvollziehen, wie eine Zisterzienser-Abtei im Mittelalter aufgebaut war und funktionierte. Die Deutsche UNESCO-Kommission fuehrt die Klosteranlage Maulbronn seit 1993 als Weltkulturerbe. Weil ein Teil der Gebaeude im Freien liegt, lohnt sich ein Besuch vor allem im Fruehjahr und Sommer.

Kloster Maulbronn auf einen Blick
Ort
Maulbronn, Enzkreis, Baden-Wuerttemberg (zwischen Pforzheim und Bretten)
Orden
Zisterzienser
Gruendung
1147, besiedelt mit Moenchen aus dem elsaessischen Kloster Neuburg
UNESCO-Welterbe
seit 1993 auf der Liste des Weltkulturerbes
Baustil
Uebergang von der Romanik zur Gotik; Klosterkirche 1178 geweiht
Highlights
Vorhalle „Paradies“, Kreuzgang, Brunnenhaus, Herrenrefektorium, ehemalige Klosterschule
Angaben nach der Staatlichen Schloesser und Gaerten Baden-Wuerttemberg und der Deutschen UNESCO-Kommission.

Gruendung und Bedeutung

Gegruendet wurde das Kloster 1147 vom Zisterzienserorden; die ersten Moenche kamen aus dem elsaessischen Kloster Neuburg. Die Zisterzienser lebten nach der Regel des heiligen Benedikt und legten Wert auf schlichte Bauformen, Selbstversorgung und Handarbeit. Diese Haltung praegt die Anlage bis heute: Verzicht auf ueberladenen Schmuck, klare Raumfolgen und eine Architektur, die dem Klosterleben untergeordnet ist. Baugeschichtlich steht Maulbronn am Uebergang von der Romanik zur Gotik und hatte grossen Anteil daran, dass sich die gotische Bauweise noerdlich der Alpen verbreitete.

Ein Rundgang durch die Anlage

Der Weg in das Kloster fuehrt durch das Klostertor in den weitlaeufigen Klosterhof. Um ihn gruppieren sich die frueheren Wirtschaftsgebaeude, darunter Gaestehaus, Werkstaetten, Staelle und ein Fruchtspeicher; eine Klostermauer umschliesst das Gelaende. Hier wohnten einst die Bediensteten und Gaeste, heute sind in den Gebaeuden unter anderem ein Informationszentrum und ein Literaturmuseum untergebracht. Im Zentrum der Anlage liegt die Klausur, der abgeschlossene Wohn- und Arbeitsbereich der Moenche, mit Kreuzgang, Kapitelsaal, Refektorien und der Klosterkirche.

Die Klosterkirche wurde 1178 geweiht. Ihr bekanntester Bauteil ist die Vorhalle vor dem Eingang, das sogenannte „Paradies“: eine um 1220 entstandene, fruehgotische Halle, die als eines der ersten gotischen Bauwerke der Region gilt. Im Inneren trennt ein Lettner die Laienkirche vom Chor der Moenche; erhalten sind ein spaetgotisches Chorgestuehl und ein steinernes Kruzifix aus dem 15. Jahrhundert. Sehenswert ist auch das Brunnenhaus im Kreuzgang aus dem 14. Jahrhundert, in dem sich die Moenche wuschen, sowie das schmucklos gehaltene Herrenrefektorium, der Speisesaal, an dem sich das asketische Ideal des Ordens besonders gut ablesen laesst.

Von der Klosterschule zum Dichterort

Nach der Reformation wandelte Herzog Christoph von Wuerttemberg das Kloster 1556 in eine evangelische Klosterschule um; in den Gebaeuden ist bis heute ein evangelisches Seminar untergebracht. Die Schule brachte eine Reihe bekannter Namen hervor: Der Astronom Johannes Kepler lernte hier ebenso wie die Dichter Friedrich Hoelderlin und Hermann Hesse. Hesse hielt es allerdings nur wenige Monate aus und floh 1892 aus dem Seminar; die strenge Schulzeit verarbeitete er spaeter in seinem Roman „Unterm Rad“. Mehr zur Geschichte des Internats beschreibt die Staatliche Schloesserverwaltung im Dossier zur Klosterschule.

Besuch und Anreise

Das Kloster ist ganzjaehrig geoeffnet und laesst sich auf eigene Faust oder bei einer Fuehrung erkunden. Aktuelle Oeffnungszeiten und Eintrittspreise nennt die Staatliche Schloesser und Gaerten Baden-Wuerttemberg auf ihrer offiziellen Seite. Mit dem Auto erreicht man Maulbronn ueber die Autobahn A8, Ausfahrt Pforzheim-Ost, und weiter ueber die Bundesstrassen B10 und B35; kostenlose Parkplaetze liegen in unmittelbarer Naehe der Anlage. Mit oeffentlichen Verkehrsmitteln faehrt man per Bahn bis zur Station Maulbronn West und von dort mit dem Bus weiter zum Kloster. Einzelheiten fasst die Anfahrtsbeschreibung des Klosters zusammen.

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