Spiekeroog

ser:HuebiLuftaufnahme SpiekeroogCC BY-SA 3.0

Von den insgesamt sieben ostfriesischen Inseln ist Spiekeroog gleich in mehrfacher Hinsicht die etwas andere. Spiekeroog wird gerne als die „ruhige“ der ostfriesischen Inseln bezeichnet, obgleich auch die anderen nicht durch übermäßige Betriebsamkeit auffallen. Sie liegt zwischen Langeoog und Wangerooge und ist damit die zweitöstlichste der vor der deutschen Nordseeküste aufgereihten Inselgruppe.

Der kürzeste Abstand zum Festland beträgt 5,7 Kilometer. Auf ihr leben etwas mehr als 800 dauerhafte Einwohner, die größtenteils mit dem Tourismus auf der Insel ihren Lebensunterhalt bestreiten. Die Endung „-oog“ bedeutet übrigens nichts anderes als „Insel“ im Niederdeutschen.

Kurze Historie von Spiekeroog

Von seiner ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1398 bis zum Aufkommen des Bädertourismus gegen Ende des 18. Jahrhunderts lebten nur sehr wenige Menschen auf Spiekeroog, die sich von Landwirtschaft und Fischfang ernährten. Ein kurzes monetäres Zwischenhoch durch lukrativen Walfang war aus geopolitischen Gründen rasch wieder beendet. Eine Zeitlang betrieb man Schmugglerei, die aber sehr gefährlich war.

Als dann 1797 das erste Seebad auf Norderney gegründet wurde, kamen ab etwa 1820 auch nach Spiekeroog die ersten Badegäste. Von da an ging es ständig aufwärts bei der Zahl der Gäste. In den Anfängen waren es rund 200 Gäste pro Jahr, 2012 waren es beinahe 100.000 Gäste mit 600.000 Übernachtungen jährlich.

Was sollte man unbedingt gemacht haben?

Echtes Highlight der Insel ist die Museumspferdebahn. Sie fährt viermal täglich vom Westend zum historischen Bahnhof – und wieder zurück. Fahrten mit dieser tatsächlich von einem Pferd gezogenen, kleinen Bahn sind nicht nur für Kinder ein einmaliges Erlebnis.

Wer an der Nordsee weilt, für den sollte eine Wattführung ein Muss sein. Natürlich werden diese von erfahrenen Führern auch auf Spiekeroog angeboten. Zwischen drei und viereinhalb Stunden sollte man dafür einplanen und dennoch sind diese Führungen auch mit Kindern ein interessantes Erlebnis.

Eine weitere außergewöhnliche Aktivität bietet die lokale Reitschule. Sicher, reiten lernen kann man überall auf der Welt. Doch wo ist sonst schon ein Ausritt durch das flache Wattenmeer möglich?

Falls man mit Kindern reist und das Wetter einmal nicht so gut ist, bietet sich ein Besuch im Indoor-Abenteuerspielplatz an. Dieser heißt auf Spiekeroog „Trockendock“ und bietet nicht nur einen nachgebauten Fischkutter, um darin herumzutoben, sondern auch eine Tunnelrutsche und ganz viel Sand, um Burgen zu bauen. Dazu gibt es ein abwechslungsreiches Programm von Kochkursen bis zu Aquarellmalerei, sodass auch die Erwachsenen einen Besuch im „Trockendock“ nicht bereuen werden.

Ebenfalls für schlechteres Wetter geeignet ist das Inselmuseum, das in einem ehemaligen Kapitänshaus von 1715 residiert. Hier erfährt man vieles über die Geschichte der Insel mit den Schwerpunkten Schifffahrt und Seenotrettung. Dazu gibt es eine typische historische Insulanerstube zu besichtigen. Im Obergeschoss findet man ein Trauzimmer, in dem man tatsächlich heiraten kann. Draußen sind um das Kapitänshaus herum zahlreiche Wrackteile von versunkenen Schiffen ausgestellt, die im Laufe der Jahrhunderte auf Spiekeroog angespült wurden.

Auf Spiekeroog kann man auch mit der „Gorch Fock“ fahren, welche in diesem Fall allerdings ein kleiner Kutter ist. Ein Tagesausflug mit diesem Boot führt über das Wattenmeer bis hinaus zu auf den Sandbänken lebenden Seehunden und wieder zurück.

Und wer das alles unternommen hat, findet in der Inselbuchhandlung ausreichend Lesestoff, damit auch bei längeren Aufenthalten auf Spiekeroog keine Langeweile aufkommt. Alternativ kann man das aparte Inselkino besuchen, das auch regelmäßig aktuelle Filme vorführt.

Sehenswerte Bauwerke auf Spiekeroog

Trotz der nur geringen Besiedlung gibt es einige sehenswerte Gebäude auf der Insel. Dazu zählen die folgenden:

  • Altes Inselhaus – älteste Haus der Insel von 1705
  • Alte Inselkirche aus dem Jahr 1696
  • katholische Kirche von 1971, eine futuristisch anmutende Pyramide

Ebenfalls sehenswert ist die Skulptur „De Utkieker“. Diese Skulptur ist 3,50 Meter hoch und zeigt auf einer Sanddüne einen nackten, ausschauenden Mann. Hinzu kommen drei weitere Skulpturen, die in Hafennähe am Straßenrand zu finden sind.

Beste Reisezeit für Urlaub auf Spiekeroog

Am besten eignen sich die Sommermonate von Juni bis September für einen Aufenthalt auf Spiekeroog. Wer es klimatisch etwas rauer mag, wird natürlich auch in den anderen Monaten glücklich auf der Insel, muss aber auf allzu viel Sonnenstunden und das klassische Stranderlebnis verzichten. Im August erreicht die Durchschnittstemperatur 20° C, allerdings gibt es in diesem Monat mit 73 mm auch den meisten Niederschlag. Dafür kann man sich auf rund 10 Sonnenstunden pro Tag – wie auch im Juni und im Juli verlassen.

Besonderheiten der Insel

Auf der Insel existiert mit Ausnahme von Feuerwehrfahrzeugen und Rettungswagen kein Autoverkehr. Dies sorgt natürlich für einen herrlich stressfreien Aufenthalt auf Spiekeroog. Weder existieren Lärmbelästigung und Abgase, noch muss in irgendeiner Form um seine Sicherheit auf den Straßen fürchten. Auch die Nutzung von Fahrrädern ist stark eingeschränkt.

Dies liegt zum einen an den engen Gassen in der Ortschaft, zum anderen daran, dass man auch in dieser Hinsicht für mehr Ruhe sorgen will. Völlig verboten ist die Nutzung von Fahrrädern allerdings nicht.

Als einzige der ostfriesischen Inseln verfügt Spiekeroog über keinen Flugplatz. Einen solchen gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, er wurde aber abgeschafft. Es existiert aber ein Hubschrauberlandeplatz am Hafen für größere medizinische Notfälle sowie Abreisemöglichkeiten, wenn der Fährbetrieb witterungsbedingt eingestellt ist.

Interessant ist das Wappen von Spiekeroog, welches ein zweimastiges, goldenes Schiff auf silbernen Wellen zeigt und erst 1968 entworfen wurde.

Prominente Gäste

Spiekeroog war schon häufig das Urlaubsziel von äußerst prominenten Persönlichkeiten. So verbrachten mehrere Bundespräsidenten hier ihren Urlaub:

  • Gustav Heinemann
  • Richard von Weizsäcker
  • Johannes Rau

Im Falle von Johannes Rau setzte dieser sogar eine Tradition fort, die er bereits als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen begonnen hatte. Rau hatte ein eigenes Ferienhaus auf dem Eiland und heiratete 1982 in der Alten Inselkirche. Dies alles führte dazu, dass er im Jahr 2000 Ehrenbürger von Spiekeroog wurde.

Fährverbindung nach und von Spiekeroog

JakfeiSpiekeroog I, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Der Fahrplan der Fähre ändert sich entsprechend den Gezeiten. Tickets sind online buchbar, was sich ohnehin empfiehlt, da die Fähre in der Regel gut ausgelastet ist. Sie verkehrt zwischen dem Hafen von Spiekeroog und Neuharlingersiel auf dem Festland.

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