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Österreich verfügt über sechs Nationalparks, die von der Weltnaturschutzunion IUCN als Schutzgebiete der höchsten Kategorie anerkannt sind. Sie verteilen sich über weite Teile des Landes und stehen jeweils für eine andere Landschaft – vom hochalpinen Gletschergebiet bis zum flachen Steppensee im Osten. Verwaltet werden sie unter dem Dach von Nationalparks Austria.
Ein Nationalpark ist ein großflächiges Schutzgebiet, in dem sich die Natur möglichst ungestört entwickeln soll. Neben dem Naturschutz haben die Parks die Aufgabe, ihre Lebensräume zu erforschen und sie über geführte Touren, Ausstellungen und Besucherzentren erlebbar zu machen.

Nationalpark Hohe Tauern
Der Nationalpark Hohe Tauern ist der älteste und größte Nationalpark Österreichs. Er erstreckt sich über die drei Bundesländer Salzburg, Tirol und Kärnten und schützt eine hochalpine Landschaft aus Gletschern, Bergseen und Almen. In seinem Gebiet liegt der Großglockner, mit 3.798 Metern der höchste Berg Österreichs; die Krimmler Wasserfälle zählen zu den höchsten Wasserfällen Europas. Wer aufmerksam beobachtet, entdeckt typische Alpentiere wie Steinadler, Steinböcke, Gämsen und Murmeltiere. Lohnende Ziele sind die Franz-Josefs-Höhe am Großglockner, die Umbalfälle und der Gletscherweg Innergschlöss in Osttirol.

Nationalpark Kalkalpen
Der Nationalpark Kalkalpen im Süden Oberösterreichs bewahrt eine der größten zusammenhängenden Waldlandschaften Mitteleuropas. Prägend sind ausgedehnte Buchen- und Bergmischwälder; Teile der alten Buchenwälder gehören zum UNESCO-Weltnaturerbe. Das Gebiet gilt als Rückzugsraum für seltene Arten – hier lebt unter anderem wieder der Luchs. Erkunden lässt sich der Park auf einem dichten Netz aus Wander-, Rad- und Reitwegen, etwa auf dem Luchstrail durch das Reichraminger Hintergebirge und das Sengsengebirge.

Nationalpark Gesäuse
Der Nationalpark Gesäuse in der Steiermark ist der jüngste der sechs Parks. Seinen Charakter verdankt er der Enns, die sich tosend durch steile Kalkwände gräbt – eine Landschaft aus Schluchten, Felswänden und Bergwäldern, die bei Kletterern und Wildwasserfahrern beliebt ist. Botanisch ist das Gesäuse für seltene, teils endemische Pflanzen bekannt. Ausgangspunkt für einen Besuch ist das Erlebniszentrum Weidendom bei Johnsbach; wegen der geringen Lichtverschmutzung eignet sich die Region auch für die Beobachtung des Sternenhimmels.

Nationalpark Donau-Auen
Der Nationalpark Donau-Auen schützt einen der letzten großen frei fließenden Abschnitte der Donau zwischen Wien und der slowakischen Grenze. Auwälder, Nebenarme und Wasserflächen bilden einen artenreichen Lebensraum, in dem etwa Biber, Eisvogel, Seeadler und die Europäische Sumpfschildkröte vorkommen. Zentraler Anlaufpunkt ist das Schloss Orth mit dem Nationalparkzentrum, der Schlossinsel und einer Unterwasser-Beobachtungsstation. Von hier aus starten Führungen und Bootstouren durch die Auen.

Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel
Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel im Burgenland reicht bis an die ungarische Grenze und ist grenzüberschreitend mit einem ungarischen Schutzgebiet verbunden. Die Kulturlandschaft Fertő/Neusiedler See wurde 2001 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Charakteristisch sind der flache Steppensee mit seinem breiten Schilfgürtel und die Salzlacken des Seewinkels – seichte, salzhaltige Gewässer, die in dieser Form in Mitteleuropa einzigartig sind. Das Gebiet ist eines der bedeutendsten Vogelparadiese des Kontinents und ein beliebtes Ziel zur Zugvogelbeobachtung.

Nationalpark Thayatal
Der Nationalpark Thayatal in Niederösterreich ist der kleinste Nationalpark des Landes. Er liegt an der Grenze zu Tschechien, wo er sich mit dem Nationalpark Podyjí zu einem gemeinsamen Schutzgebiet ergänzt. Auf engem Raum kommt hier eine große Zahl von Pflanzenarten zusammen, weil sich unterschiedliche Klimaeinflüsse überlagern. Zu den Bewohnern zählen die zurückgekehrte Wildkatze und der Schwarzstorch. Mitten im Park liegt Hardegg, das als kleinste Stadt Österreichs gilt.

Besuch und Planung
Öffnungszeiten der Besucherzentren, Termine für Führungen sowie Eintrittspreise ändern sich je nach Saison und Park. Vor einem Ausflug lohnt sich daher ein Blick auf die offiziellen Seiten des jeweiligen Nationalparks, auf denen sich auch das aktuelle Touren- und Veranstaltungsprogramm findet.
Weitere Natur- und Reisethemen
- Nationalpark Sächsische Schweiz – ein Nationalpark in Deutschland
- Nationalpark Harz mit Brocken – Mittelgebirge in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt
- Die Zugspitze – der höchste Berg Deutschlands in den Alpen
- Germknödel – die süße Spezialität aus Österreichs Hüttenküche
- Apfelstrudel – ein Klassiker mit österreichischen Wurzeln
Für wen sich ein Besuch der österreichischen Nationalparks lohnt
Die sechs österreichischen Nationalparks eignen sich vor allem für Reisende, die Landschaft und Natur in ihrer ursprünglichen Form erleben möchten. Weil sich die Gebiete stark unterscheiden – vom hochalpinen Gletschergebiet im Nationalpark Hohe Tauern über die Schluchtenlandschaft im Gesäuse bis zum Steppensee im Neusiedler See–Seewinkel –, finden sowohl Wanderer und Bergfreunde als auch Vogelbeobachter und Naturkundler ein passendes Ziel. Wer sich für Tierbeobachtung interessiert, hat gute Chancen auf Steinadler und Steinböcke in den Hohen Tauern, auf Seeadler und Biber in den Donau-Auen oder auf Zugvögel am Neusiedler See.
Weniger geeignet sind die Nationalparks für Reisende, die Städtetrip-Flair, Wellnessangebote oder ein kulinarisches Programm suchen – all das bieten die Schutzgebiete nicht. Auch für sehr kleine Kinder ist nicht jeder Park gleich zugänglich: Während die Donau-Auen mit Bootstouren und dem Nationalparkzentrum Schloss Orth vergleichsweise entspannt zu erkunden sind, verlangen hochalpine Ziele wie die Franz-Josefs-Höhe mehr Kondition.
Für Wanderungen bietet sich vor allem die Zeit von Frühjahr bis Herbst an, während sich der Neusiedler See gerade im Frühjahr und Herbst zur Zugvogelbeobachtung eignet. Da Öffnungszeiten der Besucherzentren, Führungen und Eintrittspreise je nach Park und Saison variieren, lohnt sich vor der Reise ein Blick auf die Website des jeweiligen Nationalparks.