Hirsau: Klosterruine und Luftkurort bei Calw

Klosterruine St. Peter und Paul in Hirsau
Dagmar Hollmann, Kloster Hirsau 2010, CC BY-SA 3.0

Hirsau ist ein Stadtteil von Calw und liegt im Tal der Nagold im Nördlichen Schwarzwald (Baden-Württemberg). Der anerkannte Luftkurort ist vor allem für seine Klosterruine bekannt: Die Reste des ehemaligen Benediktinerklosters St. Peter und Paul zählen zu den bedeutendsten mittelalterlichen Klosteranlagen Südwestdeutschlands. Ein Rundgang über das weitläufige Klostergelände lässt sich gut mit einem Spaziergang durch das Nagoldtal verbinden.

Klosterruine Hirsau auf einen Blick
Lage
Stadtteil von Calw im Nagoldtal, Nördlicher Schwarzwald (Baden-Württemberg)
Prädikat
Anerkannter Luftkurort
Hauptattraktion
Klosterruine des ehemaligen Benediktinerklosters St. Peter und Paul
Blütezeit
11. und 12. Jahrhundert als Reformkloster (Hirsauer Reform)
Ältester Bau
Aureliuskirche am gegenüberliegenden Nagoldufer
Wahrzeichen
Eulenturm, ein erhaltener Turm der Klosterruine
Weitere Bauten
Spätgotische Marienkapelle, Renaissance-Jagdschloss (1586–1592), Klostermuseum und Kräutergarten
Zerstörung
1692 im Pfälzischen Erbfolgekrieg
Öffnungszeiten, Führungs- und Veranstaltungstermine sowie Eintrittspreise bitte vor dem Besuch offiziell prüfen.

Die Klosterruine St. Peter und Paul

Das Kloster St. Peter und Paul entstand im 11. Jahrhundert auf einer Terrasse am linken Nagoldufer, als die wachsende Mönchsgemeinschaft mehr Platz benötigte. Die Kirche wurde im Mai 1091 geweiht – wenige Wochen vor dem Tod von Abt Wilhelm, unter dem das Kloster seine größte Bedeutung erlangte. Die dreischiffige romanische Basilika galt als eine der größten Kirchen ihrer Art in Südwestdeutschland und diente vielen weiteren Klosterkirchen als Vorbild.

Im Jahr 1692 wurde die Anlage im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen zerstört und verfiel danach zur Ruine. Erhalten blieb unter anderem der Eulenturm, der heute als Wahrzeichen über dem Gelände aufragt. Von der einstigen Größe der Basilika zeugen noch die freigelegten Grundmauern und einzelne Bauteile.

Aureliuskirche und die Anfänge des Klosters

Der Ursprung des Klosterlebens in Hirsau liegt auf der anderen Seite der Nagold. Dort steht die Aureliuskirche, der älteste erhaltene Bau der Anlage. Sie gehörte zum ursprünglichen Aureliuskloster, das bereits vor dem Neubau von St. Peter und Paul bestand. Als die Mönche 1092 auf die gegenüberliegende Flussseite umzogen, bestand das Aureliuskloster als untergeordnetes Priorat weiter. In der Aureliuskirche finden im Sommer neben Gottesdiensten regelmäßig Konzerte statt.

Aureliuskirche mit Kraeutergarten in Hirsau
Moleskine, Aureliuskirche (Hirsau) Südfassade Kräutergarten, CC BY-SA 4.0

Marienkapelle, Jagdschloss und Klostermuseum

Über die Jahrhunderte kamen zur romanischen Anlage weitere Bauten in unterschiedlichen Stilen hinzu. Die spätgotische Marienkapelle wird bis heute kirchlich genutzt. Nach der Reformation, die im Herzogtum Württemberg um 1534 eingeführt wurde, richtete man im Kloster eine evangelische Klosterschule ein. Zwischen 1586 und 1592 ließen die württembergischen Herzöge an der Stelle des früheren Abtshauses ein Renaissance-Jagdschloss errichten, das dem Gelände einen repräsentativen Charakter verlieh. Auch dieses Schloss wurde 1692 zerstört. Überliefert ist, dass in seinen Ruinen später eine große Ulme wuchs, die als „Ulme zu Hirsau“ bekannt wurde und unter anderem Ludwig Uhland zu einem Gedicht anregte.

Wer mehr über die Geschichte des Klosters und das Leben der Benediktinermönche erfahren möchte, findet im Klostermuseum entsprechende Ausstellungen. Im Bereich des früheren Kreuzgangs hinter der Aureliuskirche wurde zudem nach mittelalterlichem Vorbild ein Kräutergarten angelegt, in dem heimische Heilkräuter wachsen.

Die Hirsauer Reform

Seine überregionale Bedeutung verdankt Hirsau vor allem dem 11. und 12. Jahrhundert. Unter Abt Wilhelm entwickelte sich das Kloster zu einem geistlichen Zentrum und zum Ausgangspunkt der sogenannten Hirsauer Reform, die sich an den Ordensidealen des burgundischen Klosters Cluny orientierte. Zahlreiche weitere Klöster übernahmen diese Reformbewegung, sodass Hirsau im Mittelalter weit über die Region hinaus ausstrahlte. Auch die Bauformen der Hirsauer Kirchen prägten den Klosterbau ihrer Zeit.

Veranstaltungen: der Calwer Klostersommer

Die Klosterruine ist nicht nur ein Ort der Geschichte, sondern auch eine Kulisse für Veranstaltungen. Im Sommer ist das Gelände regelmäßig Schauplatz des Calwer Klostersommers, eines Open-Air-Festivals zwischen den historischen Mauern.

Besuch und Anreise

Hirsau liegt wenige Kilometer nördlich der Calwer Altstadt und ist mit dem Auto durch das Nagoldtal sowie per Bahn erreichbar. Das Klostergelände lässt sich frei begehen; für das Klostermuseum, Führungen und einzelne Veranstaltungen gelten eigene Öffnungszeiten und Preise. Da sich diese ändern können, lohnt sich vor dem Besuch ein Blick auf die offiziellen Seiten der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg sowie der Stadt Calw.

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